INSTITUT FÜR

SOZIALWISSENSCHAFTEN


Navigation und Suche der Universität Osnabrück


Hauptinhalt

Topinformationen

Aktuelle Mitteilungen aus dem Institut

Tagung „Marx und die ‚Kritik im Handgemenge‘“

Was ist das Spezifische der Marxschen Kritik?

Diese Frage steht im Mittelpunkt der im Rahmen des Forschungsprojekts „Marx und die ‚Kritik im Handgemenge‘. Zu einer Genealogie moderner Gesellschaftskritik“ veranstalteten Tagung am 3. und 4. März. Die etablierten Pfade der Marx-Rezeption bieten hier nur unvollständige Antworten, da sie oftmals lediglich ein Feld oder eine Phase der Kritik als tragende Stimme identifizieren. Besonders in der deutschsprachigen Debatte wird der Kern der Kritik Marxens entweder in dessen mit dem Prädikat der Wissenschaftlichkeit versehenen Ökonomiekritik identifiziert oder aber umgekehrt gerade in seiner frühen, normativ-ethisch und entfremdungstheoretisch interpretierten Sozialphilosophie.

Zweifellos sind dies zwei mächtige Stimmen bei Marx, doch was mit diesen Konturierungen aus dem Blick gerät, ist das verbindende Moment und damit das politische Zentrum seiner Kritik. Dabei handelt es sich nicht um eine immer schon a priori feststehende und bloß variierte Grundthese, sondern um einen ganz bestimmten Modus der Kritik.

Kritik, so eine maßgebliche Annahme des Forschungsprojekts, ist bei Marx nicht mehr allein ein philosophisches oder wissenschaftsimmanentes Urteil, sondern begreift sich immer schon als Teil einer revolutionären Bewegung zur Umwälzung der kapitalistischen Gesellschaftsformation. Sie ist im Wesentlichen eine gesellschaftliche Praxis vor dem Hintergrund eines politischen Erfahrungsraumes, der sie ermöglicht, provoziert und auf den sie einwirken will. Marx, der stets inmitten von Auseinandersetzungen, von Gegnern und Frontstellungen agiert, hat schon früh für diesen Modus der Kritik ein passendes Bild gefunden: die „Kritik im Handgemenge“. Diese Konstellation ist der rote Faden, der die ganz unterschiedlichen Formate und Schaffensphasen seiner Kritik durchzieht. Sie bedingt wesentlich die Herausbildung einer spezifischen Wissensform, die sich als historische, materialistische Wissenschaft von anderen, für affirmativ erklärten Theorien abhebt und immer auch eine ‚Wahrheitspolitik‘ ist.

Mit der Tagung soll die Debatte um die Marxsche Kritik wieder stärker an deren Situierung im Handgemenge gebunden und dazu beigetragen werden, dem theoretischen Niederschlag dieser Situierung auf die Spur zu kommen. Nicht zuletzt geht es darum, die Herkunft aus politischen Auseinandersetzungen auch als wesentliches Merkmal moderner Gesellschaftskritik auszuweisen und begrifflich zu erfassen.

Weitere Informationen über ReferentInnen, Ablaufplan und das Forschungsprojekt erhalten Sie unter marx.uni-osnabrueck.de.

DFG fördert wissenschaftliches Netzwerk

Ab dem 01.03.2017 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft das von Dr. Fran Osrecki beantragte wissenschaftliche Netzwerk „Die Soziologie soziologischen Wissens: Neue Wege eines Forschungsprogramms“. Wissenschaftliche Netzwerke ermöglichen es NachwuchswissenschafterInnen, sich über einen Zeitraum von drei Jahren regelmäßig zu Workshops zu treffen und zusammen mit eingeladenen ExpertInnen ein gemeinsames Forschungsthema zu besprechen und weiterzuentwickeln. Thema dieses Netzwerks ist eine wissenschaftssoziologische Perspektive auf die Soziologie: wie gestalten sich Karrieren von SoziologInnen, wie sind Paradigmenwechsel in der Soziologie strukturiert, wie verändern neue Methoden soziologisches Wissen und wie kommuniziert die Soziologie mit außenwissenschaftlichen Publika. Im Abstand von jeweils sechs Monaten sind hierzu insgesamt sechs Treffen in Osnabrück, Berlin und München geplant. Zu den eingeladenen Gästen zählen, unter anderem, Andrew Abbott, Michele Lamont und Richard Münch.

apl. Prof. Dr. Carmen Schmidt, neue Vizepräsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft für Sozialwissenschaften (GJSSS)

Die  Sprecherin der Forschungsstelle Japan des Fachbereichs Kultur- und Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück, Apl. Prof. Dr. Carmen Schmidt, ist neue Vizepräsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft für Sozialwissenschaften e.V., GJSSS.

Die 1989 in Tokyo gegründete Vereinigung  umfasst zu etwa gleichen Teilen ausgewiesene deutsche und japanische Sozialwissenschaftler sowie Wissenschaftler aus Nachbardisziplinen, die an sozialwissenschaftlichen Fragen interessiert sind. Gegenwärtig hat die Gesellschaft etwa 80 Mitglieder aus beiden Ländern, sowie eine Zahl fördernder Mitglieder.

Durch ihre verschiedenen Aktivitäten vermittelt die Gesellschaft einzigartige und wichtige Möglichkeiten für den wissenschaftlichen Austausch zwischen deutschen und japanischen Wissenschaftlern und möchte insbesondere dazu beitragen, Kenntnisse über gegenwärtige kulturelle, soziale und psychologische Besonderheiten und Prozesse in Japan und Deutschland zu erweitern und aus vergleichender Perspektive zu analysieren.

„Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe und bedanke mich bei allen Mitgliedern ganz herzlich für die Wahl“, so Frau Prof. Schmidt, die die nächste Tagung der GJSSS im Frühjahr 2018 an der Universität Osnabrück organisieren wird.