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'Care' und Geschlechterverhältnisse in Zeiten von Corona

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Beschreibung

In Krisensituationen verändern sich Sorgebeziehungen, verändern sich die Rahmenbedingungen für Sorgearbeiter*innen, verändern sich die ökonomischen Grundlagen und noch Vieles mehr. Oft werden bestehende Ungleichheiten noch weiter verstärkt. Dazu zählen auch Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern, wie etwa die Erfahrungen mit Ebola aus Westafrika zeigen. Bis heute haben die Frauenerwerbstätigkeit und das Lohnniveau nicht den Stand von ‚vor Ebola‘ wieder erreicht. In westafrikanischen Ländern nahmen die Müttersterblichkeit, gynäkologische Krankheiten und ungewollte Schwangerschaften zu. ‚Corona‘ droht also auch schlecht für Emanzipation, reproduktive Rechte und Gleichberechtigung zu werden. Zugleich können neue Formen und Praktiken des Gemeinsamen und von Sorge entstehen. Krisenzeiten sind Umbruchzeiten – und es stellt sich die Frage, ob und wie die aktuell so zahlreich getroffenen politischen Maßnahmen solchen Ungleichheiten entgegenwirken könnten.
Aktuell sehen wir während der Coronakrise folgendes Bild: Das Gesundheitssystem in vielen Ländern der Erde wurde in den letzten Jahren von Privatisierungen und neoliberalen Kürzungen getroffen – mit katastrophalen Folgen. Kranken- und Altenpflege sind feminisierte, schlecht entlohnte und enorm fordernde Beruf. Ältere bzw. Risikogruppen in generationenübergreifenden Wohnformen sind höheren Ansteckungsrisiken ausgesetzt; zugleich schützen diese vor Isolation und Versorgungsschwierigkeiten. Kollektive Formen der Kinderbetreuung sind aktuell in der Coronakrise nicht (mehr) möglich, weil die Kontakte sich auf die Wohneinheiten – also in den meisten Fällen die heterosexuelle Kleinfamilie – beziehen müssen. Kinder aus sozio-ökonomisch benachteiligten Bevölkerungsgruppen schaffen das ‚home schooling‘ längst nicht so souverän wie Kinder aus akademischen Familien. Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften (und erst recht den Lagern auf den griechischen Inseln, im Libanon etc.) haben keine Möglichkeiten den hygienischen Empfehlungen Folge zu leisten. Teils entstehen neue Modelle von Sorge: jüngeren Menschen wird die Situation von Älteren bewusst, neue digitale und nachbarschaftliche Formen der Unterstützung entstehen, (vor allem) vollzeiterwerbstätige Männer machen die Erfahrung wie sich ‚home office‘ mit Kinderbetreuung anfühlt, die Anerkennung von bestimmten Dienstleistungsberufen nimmt (zumindest kurzfristig) zu. Die Liste ist nur unvollständig – und Gegenstand des Seminars.

Mit dem Seminar soll es für Sie das Angebot geben, aktuelle Entwicklungen zu erfassen und mit einigen klassischen Texten zu Care (in der Krise) sowie zeitdiagnostischen Beiträgen aus aller Welt zu reflektieren. Zudem möchte ich vorschlagen, dass Sie einen Ausschnitt aus der Thematik (z.B. zu den veränderten Sorgebeziehungen in ihrem sozialen Umfeld) empirisch dokumentieren und als Studienleistung präsentieren.

Weitere Angaben

Ort: nicht angegeben
Zeiten:
Erster Termin:
Veranstaltungsart: Seminar (Offizielle Lehrveranstaltungen)

Studienbereiche

  • Sozialwissenschaften > Bachelor Sozialwissenschaften
  • Sozialwissenschaften > Zwei-Fächer-Bachelor Kernfach Soziologie

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